Wichtigste Erkenntnisse
- Der BSI-Hinweis betrifft derzeit Neuentwicklungen und die Planung neuer kryptographischer Anwendungen, nicht pauschal jede bestehende Nutzung.
- Prüfen Sie Lernziele, Fallbeispiele, Quizfragen, Referenzarchitekturen und wiederverwendete Kursbausteine statt nur einzelne Folien.
- Trennen Sie fachliche Freigabe durch Security oder Kryptografie von didaktischer und operativer Umsetzung durch L&D.
- Eine Änderungsfolgen-Matrix macht Zuständigkeiten, Kommunikation und Nachweise prüfbar.
- Kommunizieren Sie präzise und entscheiden Sie erneute Kenntnisnahmen anhand des internen Kontexts statt pauschal.
Wenn sich eine fachliche Empfehlung für ein kryptographisches Verfahren ändert, reicht es nicht, eine Folie auszutauschen. Schulungen können Aussagen enthalten, die neue Architekturentscheidungen beeinflussen, Übungen mit überholten Vorgaben verwenden oder Wissenschecks abfragen, deren erwartete Antwort nicht mehr zum aktuellen Stand passt. Für L&D, Security, Compliance und Teamleitungen entsteht daraus eine konkrete Aufgabe: Inhalte schnell prüfen, fachlich freigeben, gezielt kommunizieren und die Änderung nachweisbar machen.
Das BSI weist seit dem 1. Oktober 2026 darauf hin, dass Classic McEliece derzeit für Neuentwicklungen sowie bei der Planung neuer kryptographischer Anwendungen nicht verwendet werden sollte. Zugleich stellt der Hinweis klar, dass die bisherigen Ergebnisse keinen praktischen Angriff auf Classic McEliece mit den in TR-02102-1 empfohlenen Parametersätzen ermöglichen. Für Schulungen ist diese Unterscheidung entscheidend: Der Hinweis ist kein Freifahrtschein für pauschale Aussagen über bestehende Systeme, aber ein klarer Anlass, Lerninhalte zu neuen Vorhaben und Planungsentscheidungen zu aktualisieren.
Was sich für Schulungen konkret ändert
Eine fachliche Empfehlung wird erst dann handlungsfähig, wenn sie in überprüfbare Lernentscheidungen übersetzt wird. In diesem Fall sollte die Schulung nicht behaupten, Classic McEliece sei generell „gebrochen“ oder müsse zwingend überall entfernt werden. Belastbar ist vielmehr: Für neue Entwicklungen und die Planung neuer kryptographischer Anwendungen empfiehlt das BSI derzeit, das Verfahren nicht zu verwenden. Die Auswahl konkreter Alternativen, Migrationsschritte oder Parameter gehört in die fachliche Bewertung durch die zuständigen Kryptografie-, Architektur- und Security-Verantwortlichen.
Die BSI-Reihe TR-02102 richtet sich insbesondere an Personen, die neue kryptographische Infrastrukturen planen, und bietet Orientierung bei der Wahl geeigneter Verfahren. Sie ersetzt jedoch nicht die Prüfung des jeweiligen Einsatzkontexts. Deshalb sollten Lernmaterialien klar zwischen einer allgemeinen Sensibilisierung und einer verbindlichen organisationsinternen Vorgabe unterscheiden.
Leitprinzip für die Aktualisierung: Ändern Sie nicht nur den Algorithmusnamen. Prüfen Sie, welche Lernziele, Entscheidungen, Übungen und Nachweise von der bisherigen Aussage abhängen.
Schnellprüfung: Welche Schulungen und Materialien können betroffen sein?
Starten Sie mit einer fokussierten Inhaltsinventur. Ziel ist nicht, jede Security-Schulung vorsorglich neu zu schreiben. Suchen Sie stattdessen nach Stellen, an denen Lernende Verfahren für neue Systeme auswählen, kryptographische Roadmaps planen oder technische Entscheidungen begründen sollen.
- Kurskatalog und Lernpfade: Prüfen Sie PQC-, Secure-Development-, Cloud-Security-, Architektur- und Kryptografie-Module.
- Lernziele: Markieren Sie Ziele wie „geeignete Verfahren für Neuentwicklungen auswählen“ oder „eine PQC-Planung begründen“.
- Lernobjekte: Durchsuchen Sie Folien, Videoskripte, Handouts, Glossare, Spickzettel und verlinkte Referenzdokumente nach „Classic McEliece“, „McEliece“, „KEM“, „PQC“ und „Schlüsselvereinbarung“.
- Aktivitäten: Prüfen Sie Architekturfallstudien, Code-Reviews, Threat-Modeling-Übungen, Gruppenaufgaben und Entscheidungsbäume.
- Leistungsnachweise: Kontrollieren Sie Quizfragen, Musterlösungen, Bewertungsraster und Zertifikatskriterien.
- Wiederverwendung: Erfassen Sie, welche Inhalte in Onboarding, Pflichtunterweisungen, Academy-Angeboten oder Kundenschulungen mehrfach eingebettet sind.
Priorisieren Sie Materialien, die Lernende zu einer Auswahl für ein neues Vorhaben anleiten. Eine historische Einordnung kann weiter nützlich sein, sofern sie zeitlich eingeordnet wird und nicht als aktuelle Handlungsempfehlung erscheint.
Rollenbasiert aktualisieren statt allen dieselbe Nachricht zu senden
Die gleiche fachliche Änderung hat je nach Rolle eine andere Lernrelevanz. Eine allgemeine Rundmail an alle Teilnehmenden erzeugt leicht entweder unnötige Unruhe oder zu wenig Handlungsorientierung. Besser ist eine abgestufte Aktualisierung nach Entscheidungseinfluss.
| Rolle | Was die Schulung klären sollte | Geeigneter Nachweis |
|---|---|---|
| Entwicklung | Bei neuen Implementierungen keine überholte Empfehlung als Standard übernehmen; bei Auswahlfragen fachliche Vorgaben einholen. | Aktualisierter Wissenscheck oder kurze Kenntnisnahme. |
| Architektur | Den Hinweis in Entwurfs- und Planungsentscheidungen berücksichtigen; offene Auswahlentscheidungen zur Prüfung markieren. | Fallübung mit dokumentierter Eskalation an Fachverantwortliche. |
| Security und Kryptografie | Auswirkungen auf interne Standards, Referenzarchitekturen und Schulungsfreigaben bewerten. | Fachliche Freigabe der neuen Aussage und der Übungen. |
| Compliance, Risiko und Audit | Änderungsnachweis, Zielgruppenansprache und erneute Kenntnisnahme nachvollziehbar ablegen. | Versionshistorie, Kommunikationsprotokoll und Teilnahmebericht. |
| Teamleitungen und Produktverantwortliche | Neue Vorhaben mit potenzieller Kryptografieentscheidung identifizieren und an die zuständige Fachstelle verweisen. | Bestätigung oder Eintrag in der Projekt-Governance. |
Damit vermeiden Sie zwei typische Fehler: Entwicklerinnen und Entwickler erhalten keine umsetzbare Orientierung, während Fachexpertinnen und Fachexperten zu spät erfahren, dass eine alte Empfehlung noch in Lernmaterialien weiterwirkt.
Inhalte sicher ersetzen: Aussagen, Fallbeispiele und Wissenschecks
Bearbeiten Sie jedes Fundstück mit einer klaren Entscheidung: beibehalten, zeitlich einordnen, ersetzen, entfernen oder zur fachlichen Prüfung eskalieren. Besonders riskant sind verkürzte Formulierungen wie „Classic McEliece ist empfohlen“ oder „Für PQC-Projekte wählen wir Classic McEliece“. Solche Aussagen sollten nicht stillschweigend gelöscht werden, wenn die Lernlogik dadurch unklar wird.
Eine belastbarere Ersatzformulierung lautet beispielsweise: „Für Neuentwicklungen und die Planung neuer kryptographischer Anwendungen sollte Classic McEliece derzeit nicht eingesetzt werden. Die Auswahl eines geeigneten Verfahrens erfolgt nach den aktuellen fachlichen Vorgaben und dem konkreten Anwendungskontext.“ Diese Formulierung überträgt den BSI-Hinweis, ohne eine nicht geprüfte technische Alternative vorzuschreiben.
Überarbeiten Sie anschließend auch die didaktischen Bausteine rund um die Aussage:
- Fallbeispiel ändern: Lassen Sie Lernende in einem neuen Projekt erkennen, dass die Verfahrenswahl fachlich geprüft werden muss, statt einen vorgegebenen Algorithmus auszuwählen.
- Musterlösung anpassen: Bewerten Sie nicht nur den Namen eines Verfahrens, sondern den Entscheidungsweg: Quelle prüfen, Anwendungsfall einordnen, Fachfreigabe einholen und Entscheidung dokumentieren.
- Quizfragen bereinigen: Entfernen Sie Fragen, die eine frühere Empfehlung als zeitlos richtige Antwort behandeln.
- Quellen sichtbar datieren: Geben Sie bei Referenzfolien Version, Abrufdatum und verantwortliche Fachstelle an.
- Freigabe trennen: Die fachliche Richtigkeit bestätigt eine geeignete Security- oder Kryptografie-Rolle; L&D verantwortet Verständlichkeit, Lernzielbezug und Ausspielung.
Vorlage: Änderungsfolgen-Matrix für Security-Schulungen
Die folgende Matrix ist als ausfüllbare Arbeitsvorlage gedacht. Führen Sie eine Zeile pro betroffenem Lernziel oder Lernobjekt. So wird aus einer Nachricht ein nachvollziehbarer Änderungsprozess.
| Betroffenes Lernziel | Zielrolle | Bisherige Aussage | Erforderliche Überarbeitung | Fachliche Freigabe | Kommunikationsdatum | Nachweis |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Verfahren für neue Anwendungen einordnen | Architektur | Classic McEliece als Auswahloption ohne zeitliche Einschränkung | BSI-Hinweis ergänzen; Auswahl an Fachprüfung koppeln | Name, Datum, Version | TT.MM.JJJJ | Neue Folienversion und Kenntnisnahme |
| PQC-Entscheidungen begründen | Entwicklung | Quiz erwartet einen festen Algorithmusnamen | Frage auf Prüf- und Eskalationsweg umstellen | Name, Datum, Version | TT.MM.JJJJ | Aktualisierte Frage mit Ergebnisbericht |
| Security-Anforderungen prüfen | Security | Referenzarchitektur verweist auf alte Schulungsfolie | Verweis korrigieren und technische Bewertung prüfen | Name, Datum, Version | TT.MM.JJJJ | Freigegebene Referenz und Änderungslog |
| Änderungen nachvollziehen | Compliance | Keine Kennzeichnung der Inhaltsversion | Versionsstand, Gültigkeit und Zielgruppen ergänzen | Name, Datum, Version | TT.MM.JJJJ | Archivierte Vorgänger- und Nachfolgeversion |
Kommunizieren, ohne den Schulungsstand falsch darzustellen
Kommunikation sollte präzise sein. Vermeiden Sie Formulierungen wie „Der Kurs war falsch“ oder „Alle bisherigen Teilnahmen sind ungültig“. Ob eine erneute Unterweisung erforderlich ist, hängt vom internen Risikokontext, der Rolle, der Verbindlichkeit des Kurses und den bestehenden Vorgaben ab. Diese Entscheidung sollte daher dokumentiert und fachlich abgestimmt werden.
Eine sachliche Nachricht kann drei Punkte enthalten: was sich geändert hat, wen es betrifft und welche Handlung erwartet wird. Beispiel: Der Lernbaustein zur Auswahl kryptographischer Verfahren wurde aktualisiert, weil das BSI Classic McEliece derzeit nicht für Neuentwicklungen und Planungen neuer kryptographischer Anwendungen empfiehlt. Personen mit Architektur- oder Entwicklungsentscheidungen nehmen den aktualisierten Abschnitt zur Kenntnis; für offene Projekte wird die zuständige Fachstelle einbezogen.
Kennzeichnen Sie außerdem den Versionsstatus direkt im Lernsystem und im Material: etwa „aktualisiert am“, „fachlich freigegeben am“ und „gilt für Lernziele zu Neuentwicklungen“. Das schützt Lernende davor, eine alte PDF-Datei oder gespeicherte Folie als aktuellen Stand zu missverstehen.
30-Tage-Plan für die Aktualisierung einer Security-Schulung
| Zeitraum | Schwerpunkt | Ergebnis |
|---|---|---|
| Tag 1–3 | Hinweis prüfen, Verantwortliche benennen, Suche im Kursbestand starten | Abgegrenzter Prüfauftrag und Inhaltsliste |
| Tag 4–7 | Lernziele, Rollen, Übungen und Wissenschecks bewerten | Ausgefüllte Änderungsfolgen-Matrix mit Prioritäten |
| Tag 8–14 | Texte, Beispiele, Fragen und Referenzen überarbeiten | Redaktioneller Entwurf der neuen Lernversion |
| Tag 15–18 | Fachliche Prüfung durch Security- oder Kryptografie-Verantwortliche | Dokumentierte Freigabe oder offene Rückfragen |
| Tag 19–23 | Lernversion veröffentlichen, Zielgruppen festlegen, Kommunikation vorbereiten | Versionierter Kurs und zielgruppengerechte Nachricht |
| Tag 24–30 | Kenntnisnahmen, Wiederholungen und Nachweise auswerten | Abschlussdokumentation mit Restpunkten und Eigentümerschaft |
Die Aktualisierung als wiederholbaren Lernprozess aufbauen
Der konkrete BSI-Hinweis ist ein Anlass, einen allgemeinen Ablauf für die Frage wie man Schulungen nach Rechts- oder Softwareänderungen aktualisiert zu etablieren. Die Kernschritte bleiben gleich: Quelle und Geltungsbereich prüfen, betroffene Lernziele ermitteln, Inhalte fachlich freigeben, Zielgruppen passend ansprechen und Nachweise sichern. So wird nicht jede Änderung zu einem improvisierten Projekt.
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Quellen und Methodik
Der Beitrag basiert auf dem BSI-Hinweis vom 1. Oktober 2026 zu Classic McEliece sowie der BSI-TR-02102-1 als fachlichem Kontext. Die operativen Schritte, die Matrix und der 30-Tage-Plan sind redaktionelle Umsetzungshilfen für L&D- und Governance-Prozesse, keine technischen Kryptografieempfehlungen und keine rechtliche Bewertung. Technische Alternativen, konkrete Parameter, Auswirkungen auf Bestandsumgebungen und organisationsspezifische Pflichten werden bewusst einer fachlichen Prüfung zugeordnet.
- Hinweise zu aktuellen Entwicklungen um Classic McElieceBundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
- BSI TR-02102-1 "Kryptographische Verfahren: Empfehlungen und Schlüssellängen"Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
- Kryptographische Verfahren: Empfehlungen und Schlüssellängen, Version 2026-01Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

