Wichtigste Erkenntnisse
- KI-Erlaubnisse sollten das Lernziel und die konkrete Aufgabe beschreiben, nicht nur ein Werkzeug benennen.
- KMK-Aussagen, eigene Organisationsregeln und rechtliche Anforderungen müssen getrennt bleiben.
- Eine kurze Offenlegungsnotiz dokumentiert Zweck, Übernahme und Prüfung der KI-Hilfe.
- Feedback und Bewertungen brauchen eine benannte menschliche Prüfinstanz.
- Datenverarbeitung und Nutzungsvoraussetzungen für Minderjährige sind vor der Werkzeugfreigabe zu prüfen.
- Die Richtlinie sollte versioniert, mit Beispielen eingeführt und bei Änderungen überprüft werden.
Eine KI-Richtlinie sollte nicht nur Werkzeuge erlauben oder verbieten. Beginnen Sie mit der Aufgabe: Welche Leistung sollen Lernende selbst erbringen, welche Unterstützung passt dazu und wer prüft das Ergebnis? Für Nachhilfe und Online-Schulen empfehlen wir deshalb eine kurze Grundregel, ergänzt durch konkrete Aufgabenfreigaben.
Dieser Beitrag zeigt, wie man eine KI-Richtlinie für Nachhilfe und Online-Schulen schreibt. Die Vorlage und Szenarien sind redaktionelle Organisationsvorschläge, keine KMK-Vorlage und keine rechtssichere Musterregelung. Sie ersetzen weder eine rechtliche Prüfung noch die Klärung geltender Prüfungsbedingungen.
1. Den KMK-Anlass einordnen, ohne daraus Anbieterpflichten abzuleiten
Die KMK-Mitteilung „Was Schülerinnen und Schüler im Umgang mit KI können sollen“ vom 16. Oktober 2026 berichtet über die Erweiterung des Kompetenzrahmens „Bildung in der digitalen Welt“ um KI-bezogene Kompetenzen. Sie beschreibt unter anderem das Verstehen, zielgerichtete Nutzen und kritische Bewerten von KI.
Als ergänzte Kompetenzen nennt die Mitteilung die kritische Bewertung KI-generierter Inhalte und möglicher Verzerrungen. Eine praktische redaktionelle Übersetzung lautet: Wer KI verwendet, soll erklären können, was übernommen, verändert oder verworfen wurde. Das ist unser Vorschlag für die Unterrichtsorganisation, keine wörtliche KMK-Nutzungsregel.
Außerdem nennt die KMK Transparenz bei KI-Beiträgen sowie Datenschutz und ethische Fragen. Daraus leiten wir hier keine verbindlichen Vorgaben für private Bildungsanbieter ab. Halten Sie drei Ebenen getrennt: den veröffentlichten Kompetenzrahmen, Ihre pädagogischen Regeln und die rechtlich zu prüfenden Anforderungen Ihres Angebots.
2. Den Geltungsbereich konkret festlegen
Schreiben Sie zuerst auf, für wen und wofür die Richtlinie gelten soll. „Für unseren Unterricht“ ist als Arbeitsgrundlage zu ungenau. Nutzen Sie stattdessen diese Felder:
- Personen: Lernende, Nachhilfelehrkräfte, Kursautorinnen und Kursautoren sowie gegebenenfalls externe Mitarbeitende.
- Lernkontexte: Live-Unterricht, Selbstlernkurse, Übungsaufgaben, Hausaufgabenabgaben und Feedback.
- Werkzeuge: konkret benannte, intern freigegebene Anwendungen und Funktionen; neue Funktionen benötigen eine erneute Prüfung.
- Aufgabentypen: Üben, gemeinsames Erarbeiten oder Nachweisen einer selbstständigen Leistung.
- Zuständigkeiten: Wer gibt Aufgabenhilfen frei, prüft Ergebnisse und bearbeitet Rückfragen?
Trennen Sie Ihre Nachhilferegeln von den Bedingungen einer externen Schule oder Prüfung. Wenn eine Aufgabe von einer anderen Institution stammt, empfehlen wir, deren Vorgaben vor der Freigabe zu klären. Eine interne Richtlinie sollte nicht als Erlaubnis für eine externe Prüfung dargestellt werden.
3. Erlaubnisse am Lernziel ausrichten
Für jede Aufgabe empfehlen wir drei Nutzungsstufen. Entscheidend ist nicht nur der Name des Werkzeugs, sondern die Hilfe, die es bei dieser Aufgabe leisten darf.
- Erlaubt: ausdrücklich benannte Unterstützung, etwa zusätzliche Übungsbeispiele oder Ideen für eine Gliederung.
- Bedingt erlaubt: Unterstützung nur unter festgelegten Bedingungen, etwa nach einem eigenen Lösungsversuch und mit kurzer Dokumentation.
- Ausgeschlossen: Unterstützung, die nach Ihrer Aufgabenregel die nachzuweisende Eigenleistung ersetzt, etwa ein vollständiger KI-Text bei einer eigenständig zu verfassenden Argumentation.
Ein möglicher Aufgabenhinweis lautet: „Ziel ist, dass du eine lineare Gleichung selbst umformen und deine Schritte begründen kannst. Nach deinem ersten Versuch darfst du einen Hinweis anfordern, aber keine vollständige Lösung übernehmen. Notiere den Hinweis und zeige anschließend deinen eigenen Rechenweg.“
Lassen Sie nicht offen, was bei fehlender Freigabe geschieht. Eine praktikable Standardregel wäre: „Ohne Aufgabenfreigabe zunächst ohne KI arbeiten oder die Lehrkraft fragen.“ Bieten Sie für jede Aufgabe eine Alternative ohne eigenes KI-Konto an, beispielsweise ein vorbereitetes Hinweisblatt oder eine betreute Rückfrage.
4. Szenariomatrix: vier Aufgaben, fünf Entscheidungen
Die folgende Matrix ist ein redaktioneller Organisationsvorschlag. Ersetzen Sie die Rollen durch Namen oder eindeutig zugeordnete Funktionen. Die Regeln gelten jeweils nur für das beschriebene Lernziel.
| Szenario | Lernziel | Erlaubte Hilfe | Offenlegung | Menschliche Prüfung | Zuständig |
|---|---|---|---|---|---|
| Ideenfindung | Eigene Fragestellung entwickeln | Ideen sammeln; Auswahl selbst begründen | Werkzeug, Zweck, übernommene Idee | Passung und Auswahlbegründung prüfen | Lernende; Kurslehrkraft |
| Lösungshilfen | Lösungsweg verstehen | Hinweis nach eigenem Versuch; keine Komplettlösung | Versuch, Hinweis, eigener nächster Schritt | Rechenweg und Verständnis prüfen | Lernende; Nachhilfelehrkraft |
| Hausaufgabenabgabe | Eigenständige Argumentation zeigen | Nur freigegebene Rückfragen; kein erzeugter Abgabetext | Art der Hilfe oder „ohne KI“ | Text und kurze Erläuterung prüfen | Lernende; bewertende Lehrkraft |
| Lehrkräfte-Feedback | Nächsten Lernschritt bestimmen | Entwurf anhand freigegebener Kriterien und Inhalte | KI-Mitwirkung und prüfende Person nennen | Jede Rückmeldung fachlich prüfen und freigeben | Verantwortliche Lehrkraft |
Verändern Sie die Matrix, wenn sich das Lernziel ändert. Geht es ausdrücklich darum, einen KI-Text zu kritisieren, gehört die Arbeit mit diesem Text zur Aufgabe. Geht es um eigenständiges Schreiben, sollten Sie eine andere Freigabe formulieren. Dokumentieren Sie diese Entscheidung vor der Bearbeitung.
5. Offenlegung kurz und überprüfbar machen
Wir empfehlen eine einheitliche Kurznotiz statt vollständiger Chatprotokolle als Standard. Sie sollte beantworten: Welches Werkzeug oder welche Funktion wurde genutzt? Wofür? Was wurde übernommen? Wie wurde es geprüft?
KI-Nutzung: [Werkzeug/Funktion], [Datum]. Zweck: [zum Beispiel Gliederungsideen]. Übernommen oder verändert: [kurze Beschreibung]. Selbst geprüft durch: [Materialvergleich, Rechnung oder eigene Begründung].
Für Lehrkräfte könnte die Notiz lauten: „Das Feedback wurde mit KI-Unterstützung entworfen und von [Name/Rolle] anhand der Aufgabe und Bewertungskriterien geprüft.“ Legen Sie fest, wo diese Information steht, etwa direkt bei der Rückmeldung. Eine bloße Kennzeichnung ersetzt die inhaltliche Prüfung nicht.
Verlangen Sie zusätzliche Ausschnitte nur, wenn sie für das Lernziel oder eine konkrete Klärung gebraucht werden und intern zur Dokumentation freigegeben sind. Als Organisationsregel empfehlen wir, dabei personenbezogene Angaben wegzulassen und keine privaten Gespräche einzureichen.
6. Menschliche Prüfung und strittige Bewertungen regeln
Benennen Sie für jeden prüfpflichtigen Vorgang eine verantwortliche Person. Unser Vorschlag: KI darf einen Entwurf liefern; eine Lehrkraft prüft vor der Weitergabe Fachlichkeit, Aufgabenbezug, Kriterien und Verständlichkeit. Für Bewertungen bleibt die pädagogische Entscheidung bei einer ausdrücklich zuständigen Person.
Bei Unklarheiten empfehlen wir diesen Ablauf:
- Regel prüfen: Welche Freigabe war bei der Bearbeitung sichtbar?
- Sachverhalt klären: Lernende erläutern den Arbeitsweg und die verwendete Hilfe.
- Verständnis prüfen: Eine kurze Erklärung oder vergleichbare Aufgabe dient der fachlichen Klärung.
- Entscheidung begründen: Die zuständige Lehrkraft dokumentiert, welche Regel und welche nachvollziehbaren Informationen ausschlaggebend waren.
- Rückfrage ermöglichen: Eine benannte zweite Ansprechperson prüft Einwände; im Einzelbetrieb wird ein erneutes Gespräch vorgesehen.
Behandeln Sie einen Verdacht innerhalb dieses Vorschlags nicht automatisch als festgestellten Regelverstoß. Wenn die Aufgabenregel unklar war, präzisieren Sie sie für die nächste Aufgabe, statt rückwirkend neue Anforderungen einzuführen.
7. Daten und Minderjährige: Eingabegrenzen vor Freigabe klären
Als vorsichtige interne Startregel empfehlen wir: keine Namen, Kontaktdaten, Zugangsdaten, Gesundheitsangaben, privaten Nachrichten oder erkennbaren Aufnahmen in nicht ausdrücklich geprüfte KI-Anwendungen eingeben. Auch vollständige Lernendenarbeiten sollten erst nach einer gesonderten Freigabe verarbeitet werden.
Lassen Sie vor dem Einsatz insbesondere Anbieterbedingungen, Altersgrenzen, Datenverarbeitung, Speicherung, Zugriffsrechte und mögliche erforderliche Erlaubnisse fachkundig prüfen. Diese Liste ist ein Prüfauftrag, keine Aussage über die aktuelle Rechtslage. Für Minderjährige empfehlen wir verständliche Erläuterungen und eine betreute Alternative ohne eigenes KI-Konto, solange die Nutzungsvoraussetzungen ungeklärt sind.
8. Ausfüllbare einseitige KI-Richtlinie
Redaktioneller Organisationsvorschlag: Die folgende Kurzvorlage ist für eine einseitige Zusammenfassung gedacht. Ergänzen Sie die Szenariomatrix als Anlage. Der tatsächliche Seitenumfang hängt vom Layout und Ihren Einträgen ab.
KI-Richtlinie für [Anbieter/Kurs]
Geltung: Diese Richtlinie gilt für [Personengruppen], [Lernangebote] und [Aufgabentypen]. Verantwortlich: [Name/Rolle]. Version: [Nummer]. Gültig ab: [Datum]. Nächste Prüfung: [Datum].
Freigegebene Werkzeuge: [Anwendungen/Funktionen]. Freigabe durch: [Rolle]. Offene Prüfungen: [Punkte]. Alternative ohne KI: [Angebot].
Aufgabenregel: Jede Aufgabe nennt Lernziel und Nutzungsstufe. Erlaubt: [Hilfen]. Bedingt erlaubt: [Hilfen/Bedingungen]. Ausgeschlossen: [Hilfen]. Ohne eindeutige Freigabe gilt: [Standardregel].
Offenlegung: Lernende dokumentieren [Werkzeug, Zweck, Übernahme, Prüfung] an [Ort]. Lehrkräfte kennzeichnen KI-Mitwirkung an [Ort] und nennen die prüfende Person.
Menschliche Verantwortung: [Rolle] prüft fachliche Richtigkeit und Aufgabenbezug. [Rolle] entscheidet über Feedback und Bewertung. Ungeprüfte Entwürfe werden nicht als endgültige Rückmeldung weitergegeben.
Daten und Minderjährige: Nicht eingegeben werden [Datenarten]. Voraussetzungen für Konten und Verarbeitung werden durch [zuständige Stelle] vor Freigabe geprüft. Bei ungeklärten Voraussetzungen nutzen wir [Alternative].
Unklarheiten: Rückfragen gehen an [Kontakt]. Strittige Bewertungen werden nach [Ablauf] geklärt. Erneute Prüfung durch: [Person/Rolle].
Einführung und Aktualisierung: Besprochen am [Datum], anhand von [Beispielen]. Rückmeldungen über [Kanal]. Änderungen werden durch [Rolle] beschlossen und vor Anwendung mitgeteilt.
9. Klein starten und den Arbeitsablauf passend organisieren
Erproben Sie die Richtlinie zunächst in einem Kurs mit einer Übungsaufgabe und einer Abgabe. Sammeln Sie Fragen zu Freigaben, Offenlegung und Prüfung. Aktualisieren Sie anschließend Formulierungen und Zuständigkeiten. Prüfen Sie die Richtlinie erneut, wenn Werkzeuge, Funktionen, Zielgruppen oder Bewertungsformate wechseln.
SubSchool beschreibt KI-Unterstützung für wiederkehrende Vorbereitungsarbeiten mit bearbeitbaren Ergebnissen und abschließender Entscheidung durch Lehrkräfte. Das kann zu einem Arbeitsablauf passen, in dem Automatisierung Entwürfe vorbereitet, Lehrkräfte aber Autorenschaft und pädagogische Verantwortung behalten. Eine Plattform ersetzt die organisatorische und rechtliche Prüfung nicht.
Wenn Sie diesen Ansatz für Ihr Angebot prüfen möchten, informieren Sie sich über SubSchool für Online-Schulen. Nehmen Sie Ihre ausgefüllte Richtlinie als Prüfliste mit: Wer darf was vorbereiten, wer prüft und wer gibt das Ergebnis frei?
Quellen und Methodik
Am 6. November 2026 wurden die angegebene KMK-Mitteilung und offizielle SubSchool-Seiten über die verfügbare Websuche geprüft. Das Datum 16. Oktober 2026 ist im abrufbaren KMK-Seitentext ausgewiesen. Die sachliche Zusammenfassung beschränkt sich auf dort erkennbare Aussagen; weiterführende Kompetenzdokumente wurden nicht ausgewertet. Vorlage, Szenariomatrix und Arbeitsabläufe sind ausdrücklich eigene redaktionelle Empfehlungen. Es werden keine neuen gesetzlichen Pflichten, geltenden Prüfungsfreigaben oder garantierten Ergebnisse behauptet. Die Webausgabe der KMK-Mitteilung war am Ende gekürzt; die vollständige Sichtprüfung bleibt Bestandteil der redaktionellen Freigabe.
